Mondjäger. Nathalie Djurberg & Hans Berg im Dialog mit Asger Jorn

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

eine Reise in die unbeherrschbare Zone zwischen Traum und Wirklichkeit

Erstmals werden malerische und skulpturale Werke des herausragenden dänischen Künstlers Asger Jorn (1914–1973) den filmischen Werke des namhaften schwedischen Künstlerduos Nathalie Djurberg & Hans Berg (*1978) gegenübergestellt. Obwohl die skandinavischen Künstler Generationen und Medien voneinander trennen, verbindet sie eine Welt des Kreatürlichen, die von Mischwesen zwischen Mensch und Tier bevölkert ist. Die von Metamorphosen und Verwandlungen bestimmten Wesen verweisen auf die triebhaften Anteile unserer Spezies und lassen die mit »dem Tier« assoziierten Begriffe von Freiheit, Wildheit und Instinkthaftigkeit aufscheinen.

Mondjäger. Nathalie Djurberg & Hans Berg im Dialog mit Asger Jorn
klassische Wert- und Formbegriffe geben dem Unbekannten und der Imagination Platz

Die farbmächtigen Bildwelten entführen die Betrachter auf eine Reise voller Verwandlungen und Überraschungen und versprechen Einblicke in die Tiefen und Untiefen des Geistes. Ausgangspunkt der Ausstellung bildeten wichtige Gemälde Asger Jorns aus der Sammlung Selinka des Kunstmuseum Ravensburg, die durch zahlreiche Leihgaben ergänzt werden. »Mondjäger« zeigt insgesamt 46 Werke des dänischen Künstlers und setzt einen Schwerpunkt bei seinen malerischen Arbeiten aus den 1950er- und 1960erJahren sowie bei acht raumgreifenden Filmen von Djurberg & Berg, die zwischen 2008 und 2018 entstanden sind.
191019 Asger Jorn Eine CoBrA Gruppe Sammlung SelinkaAsger Jorn - Eine CoBrA-Gruppe Sammlung Selinka
Djurberg & Berg haben durch ihre verzaubernd-irritierenden Animationsfilme mit Figuren aus Knetmasse und hypnotischem Sound internationale Bekanntheit erlangt. Sowohl die Tier- wie auch die Menschenfiguren in ihren Filmen scheinen nicht von Vernunft, sondern von Bedürfnissen und Trieben geleitet zu sein. Asger Jorn gilt als einer der wichtigsten und facettenreichsten Künstler der europäischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Hoffnung auf Animation und die Bewegung gehört zu den theoretischen Grundlagen, die er für sein Werk erarbeitet hat. Die Wahrheit ist einzig und allein in der Bewegung, der Transformation von Zustand zu Zustand, zu finden, vom Guten zum Bösen und umgekehrt.
Mondjäger. Nathalie Djurberg & Hans Berg im Dialog mit Asger Jorn
Sa 19. Oktober 2019 bis So 16. Februar 2020 | Kunstmuseum Ravensburg (EG/1./2. OG)
Öffnungszeiten Di bis So 11 - 18 Uhr, Do - 19 Uhr Montag geschlossen, ausser feiertags
191019 Asger Jorn 1959 Foto Gunny BusckAsger Jorn, 1959, Foto: Gunny Busck
Asger Jorn dachte, modellierte und schrieb als überzeugter Maler. Er plädierte für einen erweiterten Kunstbegriff, der die Stilbegriffe und Konventionen der Hochkultur hinter sich lässt, und erklärte stattdessen die Erkundung des Unbekannten, Imaginären und Chaotischen zur Aufgabe der Kunst. Dem Ästhetischen und Schönen setzte er das Hässliche und Chaotische entgegen, dem Ernsthaften das Alberne und Groteske. Eine Vielzahl seiner zwischen Abstraktion und Figuration pendelnden Arbeiten ist von Kreaturen zwischen Tier und Mensch bevölkert, die einer prozesshaften, spontanen Formfindung entstammen und an unsere unterdrückten und somit zumeist im Verborgenen bleibenden Emotionen erinnern. Die kreatürlichen Wesen tauchen bereits ab den 1940er-Jahren in seinem Werk auf und bleiben durchgängiges Thema.

191019 Portrat Nathalie Djurberg Hans Berg Foto Wynrich ZlomkeNathalie Djurberg & Hans Berg, Kunstmuseum Ravensburg, 2019, Foto: Wynrich Zlomke
Nathalie Djurberg & Hans Bergs Filme gleichen einer Expedition ins Unterbewusstsein, bei der konventionelle Vorstellungen von Schönheit und Hässlichkeit, Ekel und Korrektheit keine Bedeutung mehr haben. Im Rollentausch von Tier und Mensch durchspielen die flüchtigen Geschöpfe aus Knetmasse existentielle Befindlichkeiten wie Schmerz, Ängste, Fantasien und Wünsche und verhandeln die irrationalen Anteile unserer Existenz. Die Filme von Djurberg & Berg entstehen spontan, intuitiv und ohne vorgefertigtes Storyboard und folgen ebenfalls keiner festgelegten Erzählung. Während Djurberg die Figuren aus Knetmasse, die Kostüme und Schauplätze herstellt und mit Stop-Motion-Animation zum Leben erweckt, komponiert Hans Berg zeitgleich die suggestiv-atmosphärische Musik, die das Geschehen mal unterwandert, mal verstärkt.

Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung des Bundes und der Baden-Württemberg Stiftung gefördert und durch zahlreiche Leihgeber der Werke Asger Jorns unterstützt, u. a. durch die Kunsthalle Emden – Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo; Galerie van de Loo; das Museum Jorn, Silkeborg; die Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München – Pinakothek der Moderne.

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