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Spektakuläre Neuerwerbung für das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen


Zur Rückkehr eines Meisterwerks europäischer Goldschmiedekunst nach Schaffhausen.

Nach einer 181-jährigen Odyssee ist es endlich soweit: Dank dem Engagement der Sturzenegger-Stiftung ist ein bedeutendes Zeugnis europäischer Goldschmiedekunst in die Schweiz zurückgekehrt. Der vergoldete Silberpokal entstand in der Zeit um 1500. Im Jahre 1843 war er von den Schaffhauser Behörden als «unbedeutend und durchaus entbehrlich» eingeschätzt und verkauft worden - eine fatale Fehleinschätzung. Das Trinkgefäss konnte nun nach langwierigen Verhandlungen aus einer südamerikanischen Privatsammlung erworben werden.
Als Dauerleihgabe der Sturzenegger-Stiftung erhält der Doppelpokal im Museum zu Allerheiligen ab 1. Juni 2024 seinen festen Platz in der Dauerausstellung „Schaffhausen im Fluss“. Ein bedeutendes Kapitel Schweizer Kunstgeschichte wird lebendig.

Generell sind weltliche Silberobjekte aus gotischer Zeit selten im Original erhalten und uns häufig nur durch Bildquellen überliefert. Der spektakuläre Doppelpokal - in der Fachsprache auch Doppelscheuer oder Doppelkopf genannt - setzt sich aus vier Einzelteilen zusammen: - einem Fuss - einem Gefäss mit seitlich angesetztem Henkel - einem Deckel, der ebenfalls als Trinkschale zu verwenden ist - sowie einem Deckelaufsatz in Gestalt einer Stadtmauer, der als Fuss der Trinkschale dient. Es handelt sich demzufolge um einen doppelten Trinkbecher - einen oben, der andere unten.

240524 MSH. 1 Doppelpokal Inv. 61142Der qualitätsvoll gearbeitete Doppelkopf ist ein äusserst bedeutendes Zeugnis der mittelalterlichen Kultur Schaffhausens und der Schweiz. Und zwar sowohl betreffend der Trinkkultur als auch der Fähigkeiten mittelalterlicher Gold- und Silberschmiede. Es darf als Glücksfall bezeichnet werden, dass es der Sturzenegger-Stiftung gelang, dieses Stück in die Schweiz zurückzuführen.

Erfreulicherweise lässt sich der Weg des Doppelpokals durch die Wirren der Geschichte ausserordentlich gut nachverfolgen. Aufgrund seiner Gestaltung und Formensprache ist der Doppelkopf in der Zeit um 1500 entstanden, vielleicht in Schaffhausen. Solche Doppelköpfe waren vor allem im süddeutschen Raum und in der nördlichen Schweiz beliebt. Im 16. Jahrhundert tauchen in den Rechnungsbüchern und Ratsprotokollen der Stadt Schaffhausen immer wieder Einträge betreffend Reparaturen des - wie es dort heisst - «grossen Kopfes» auf. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts befindet sich der Doppelpokal im Besitz des AllerheiligenAmtes in Schaffhausen. Blicken wir auf dem Deckel in den Zinnenkranz, so ist links das Standeswappen Schaffhausen zu erkennen, rechts das Klosterwappen und darüber angeordnet die Datierung 1607. Eine Zeichnung des Schaffhauser Hans Wilhelm Harder (1810 - 1872) überliefert uns den damaligen Zustand der Goldschmiedearbeit.