Neuste Artikel

«Wacker im Krieg. Erfahrungen eines Künstlers»

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

Sa 09. Juni 2018 bis So 17. Februar 2019 | vorarlberg museum, Bregenz
Öffnungszeiten: Di bis So 10 - 18 Uhr | Do - 20 Uhr | Mo geschlossen (ausgenommen Feiertag)

Der Krieg sollte für Rudolf Wacker (1893 – 1939) nie enden. Der Abschied von Bregenz am 1. August 1914 und die Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft am 14. September 1920 bleiben dem Maler zeitlebens die wichtigsten Erinnerungstage. Die Ausstellung veranschaulicht, wie Wacker im sibirischen Lager zum Künstler wurde, und welche Auswirkungen Krieg und Gefangenschaft auf sein weiteres Leben und Schaffen hatten. Die Ausstellung zeigt Werke (30 Ölgemälde, 115 Zeichnungen) und Objekte (Fotografien, Briefe, Postkarten, Lagerdokumente, Aufzeichnungen) aus Sammlungen aus Österreich, Schweiz, Polen, Russland und Slowenien, viele davon sind erstmals zu sehen, darunter auch eines seiner Schlüsselwerke „Der Maler (Selbstbildnis)“ von 1924, das erstmals seit 1925 wieder öffentlich zu sehen ist.

«Wacker im Krieg. Erfahrungen eines Künstlers»
Wie der Krieg Hoffnungen zerstört und die Richtung eines Lebens drastisch verändert, wird in der Ausstellung exemplarisch dargelegt

180609 Rudolf Wacker Soldat 1915 Franz Michael Felder Archiv c Markus TretterRudolf Wacker 1915 Foto Markus TretterNach der grossen Gesamtschau Rudolf Wacker und Zeitgenossen, die 1993 vom Bregenzer Kunstverein und dem Kunsthaus Bregenz ausgerichtet wurde, wird jetzt nach genau 25 Jahren wieder die Möglichkeit geboten, sich intensiv mit Leben und Werk dieses herausragenden Malers und Zeichners zu beschäftigen. Aufgewachsen im grossbürgerlichen Milieu in Bregenz, führte Rudolf Wacker in Wien und Weimar das Leben eines begüterten Kunststudenten. Der Krieg zwang ihn in Uniform und Verderbnis, die Gefangenschaft in Tomsk in Sibirien konfrontierte ihn mit Hunger, Kälte, Typhus, Einsamkeit und Gewalt. Nach zwei Jahren im sibirischen Lager begann er zu zeichnen, leidenschaftlich, nicht mehr akademisch, wie er es gelernt hatte, sondern auf der Suche nach einem eigenen Stil. Selbstporträts, Landschaftsstudien, Lagerskizzen, Porträts von Mitgefangenen, aber auch von jungen Frauen, russischen Künstlern und Intellektuellen, die er ausserhalb des Lagers kennengelernt hatte. Als Rudolf Wacker 1920 nach fünf Jahren Kriegs- Gefangenschaft in sein Elternhaus zurückkehrte, war Bregenz eine andere Stadt geworden, die Monarchie war Geschichte, der Vater gestorben, die Inflation frass das Vermögen auf. Hier begann er, seine eigene malerische Sprache zu entwickeln, verdichtete alle seine Erfahrungen, Emotionen und Ideen, aber auch seine Zeitkritik und Utopien, die seinen Stillleben einen so eigensinnigen Charakter verleihen und sie unvergleichlich machen.

Zu manchen der ehemaligen Mitgefangenen in Tomsk unterhielt Wacker zeitlebens enge Beziehungen und zurück in Bregenz zog ihn alles Russische magisch an. So wurde ihm Sergei Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ zur Offenbarung einer „abstrakten Sachlichkeit“, in Tolstois Bauern „Polikushka“ sah er sich selbst, was er mit dem „Russenhemd“, das er so oft trug, unterstrich. Als die Gestapo 1938 sein Haus in Bregenz durchsuchte, wurde ihm diese Russenliebe zum Verhängnis. Wacker erinnerte sich an die Durchsuchungen in den Tomsker Baracken. Der Krieg hörte eben nie auf. Rudolf Wacker starb 1939 an den Folgen eines Herzinfarkts.
180609 Wacker im Krieg Ausstellungsansicht02 c Darko TodorovicAusstellungsansicht Foto Darko Todorovic
In Zusammenarbeit mit dem Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek, das den schriftlichen Nachlass des Künstlers verwahrt.


Sie sind nicht angemeldet. Bitte melden Sie sich an um Kommentare schreiben zu können.