Olaf Nicolai – Was ist Realität, was ist Fiktion?

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

Sa 07. Juli bis So 11. November 2017 | Kunstzone der Lokremise St.Gallen
Öffnungszeiten: Mo-Sa 13-20 Uhr, So 11-18 Uhr

Die Landschaft, eines der komplexesten Themen in der Geschichte der Kunst, stellt ein Leitmotiv im Werk von Olaf Nicolai dar. Für die Lokremise St.Gallen lässt er eine karge, utopische Landschaft entstehen, das ebenso Wüste aber auch Mondlandschaft sein könnte – darauf spielt das titelgebende Zitat an, ein Satz, den der US-amerikanische Astronaut Charles «Pete» Conrad Jr. am 18.11.1969 bei seinem Aufenthalt auf dem Mond äusserte. Der Ausgangspunkt der Schau in St.Gallen ist die scheinbar triviale Tatsache, dass wir in unserer Wahrnehmung nicht einfach mit Natur konfrontiert sind, sondern unsere Wahrnehmung immer schon durch anderes vermitteltes Wissen geprägt ist.

That’s a God-forsaken place; but it’s beautiful, isn’t it? 
Olaf Nicolai zeigt bestehende als auch neue Arbeiten in einem ortspezifischen Setting
Kurator: Lorenzo Benedetti


Nicolais Installation in der Lokremise besteht vor allem aus Sand, der im Hauptraum des Ausstellungsbereiches hügelig über die gesamte Bodenfläche verteilt ist, sowie zwei monumental fluoreszierenden Wände, die unter dem Einfluss von ultraviolettem Licht, den Raum als optisch schwebende Ebenen erweitern. So entsteht eine utopische Landschaft die sich unter wechselnden Umwelteinflüssen und der Begehung durch die Besucher zu einer Landschaft in Bewegung formiert. Die Fussabdrücke, welche die Ausstellungsbesucher beim Begehen im Sand hinterlassen, werden zu sichtbaren, jedoch körperlosen Spuren, während die an die Wand geworfenen Schatten als flüchtige Silhouetten bloss einige Sekunden bestehen bleiben, bevor sie langsam in der unbestimmten Tiefe hinter dem Horizont verblassen.

Wenn die Besucher ihren Spaziergang durch die Landschaft in der Lokremise beginnen, können sie einen handgrossen Meteoriten an sich nehmen. Der Meteorit ist ein Bruchstück eines grösseren Objekts, das am 12.02.1947 bei seinem Aufprall nahe Wladiwostok in mehrere tausend Stücke zerbrach und dabei eine Spur von über 120 Kratern hinterliess Mit diesem extra-terrestrischen Gegenstand in der Hand des Ausstellungsbesucher, rückt die Relation zu Umwelt und Installation buchstäblich in eine andere Perspektive.
180707 KMSG Nicola Installationsansicht 09 Lokremise St.Gallen Foto Sebastian StadlerInstallationsansicht Lokremise St.Gallen Foto Sebastian Stadler
Das Entree zur Ausstellung bildet die Arbeit „Zabriskie Point“, eine fotografische Serie, die mit scharfem Blitzlicht bei Nacht am gleichnamigen Ort im US-amerikanischen Death Valley aufgenommen wurde. Bisher unpublizierte Texte des Kaliforniers Simeon Wade, der im Juni 1975 zusammen mit Michel Foucault das Death Valley besuchte und an eben dem symbolträchtigen „Zabriskie Point“ erstmalig LSD zu sich nahm bilden ein weiteres Element der Installation.

Eine Fortsetzung findet Nicolais Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen. Tropfenförmige Objekte aus durchsichtigem Glas, vereinzelt auch in der Lokremise zu finden, sind hier auf dem Boden verschiedener Ausstellungsräume verteilt. Als optisches Instrument, das den umgebenden Raum in einem einzigen Punkt konzentriert und bündelt, eröffnen die Glastropfen ein reflexives Vexierspiel über das wechselseitige Verhältnis von Vereinzelung und Zugehörigkeit, von Nähe und Distanz. Auf subtile Weise verklammert die Arbeit „Echo“ die Koordinaten von Raum und Landschaft mit der Person – sowohl dem Besucher als auch dem Künstler, denn das Gesamtvolumen aller Glastropfen entspricht dem Körpervolumen Nicolais.

Olaf Nicolai (*1962 Halle an der Saale) ist seit Anfang der 1990er Jahre mit Gruppen- wie mit Einzelausstellungen an inzwischen fast allen wichtigen Orten des zeitgenössischen Kunstgeschehens präsent. Arbeiten waren in zahlreichen internationalen Ausstellungen von der documenta bis zur Biennale di Venezia zu sehen. Daneben wurde er mit zahlreichen bedeutenden Kunstpreisen ausgezeichnet. Olaf Nicolai lebt und arbeitet in Berlin ist Professor für Bildhauerei und Grundlagen des dreidimensionalen Gestaltens an der Akademie der Bildenden Künste München und Mitglied im Deutschen Künstlerbund. 
180707 KMSG Nicola Installationsansicht Lokremise St.Gallen Foto Sebastian StadlerInstallationsansicht Lokremise St.Gallen Foto Sebastian Stadler

Begleit Agenda

Fr 06. Juli 2018, 18.30 Uhr - Vernissage

Di 10 Juli 2018, 18.30 Uhr - Öffentliche Führung

Di 10. Juli 2018, 20.30 Uhr - Filmvorführung KINOK, Cinema in der Lokremise
Zabriskie Point, 1970 von Michelangelo Antonioni Filmvorführung im Rahmen der Ausstellung
Infos und Tickets unter kinok.ch

So 19. August 2018, 13.00 Uhr - Öffentliche Führung

Mi 29. August 2018, 18.30 Uhr - Öffentliche Führung
mit Kurator Lorenzo Benedetti

Mi 29. August 2018, 20.30 Uhr - Filmvorführung KINOK, Cinema in der Lokremise
Zabriskie Point, 1970 von Michelangelo Antonioni Filmvorführung im Rahmen der Ausstellung
Infos und Tickets unter kinok.ch

Sa 08. September 2018, 18 - 01 Uhr - Museumsnacht
Kurzführungen mit Kurator Lorenzo Benedetti jeweils um 19 Uhr und 20.30 Uhr

Di 25. September 2018, 18.30 Uhr - Performance Künstlergespräch
Ausstellungsrundgang mit dem Künstler Olaf Nicolai und dem Kurator der Ausstellung Lorenzo Benedetti
Im Anschluss: Zabriskie Point / A New Soundtrack Screening and live sound performance by Olaf Nicolai and Ronald Lippok

Mi 26. September 2018, 14 - 16 Uhr - Kinder Kunst Klub
Anmeldung erbeten unter kunstvermittlung@kunstmuseumsg.ch

Fr 28. Septembert 2018, 19 Uhr - Filmvorführung KINOK, Cinema in der Lokremise
Zabriskie Point, 1970 von Michelangelo Antonioni Filmvorführung im Rahmen der Ausstellung
Infos und Tickets unter kinok.ch

Di 16. Oktober 2018, 18.30 Uhr - Öffentliche Führung

So 11. November 2018, 13.00 Uhr - Öffentliche Führung

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.kunstmuseumsg.ch



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