Ansichten XXXI - «4 ABSTRACTs 2 NOT»

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

Sa 27. Mai bis So 29. Juli 2o18 | Quadrart Dornbirn  Ort zeitgenössischer Kunst
Öffnungszeiten: Do / Fr / Sa 17-19 Uhr und nach Vereinbarung

Der in Düsseldorf lebende deutsche Künstler, Maler und Ausstellungskurator Horst Keining präsentiert in der Reihe "Ansichten XXXI" sechs seiner Malerfreundeunde und suchte dafür als Referenzarbeit aus der Sammlung Erhard Witzel das Wandobjekt "Watching Suzanne (front)" des bedeutenden britischen Künstlers Julian Opie aus.

«4 ABSTRACTs 2 NOT» Kurator: Horst Keining
Teilnehmende KünsterInnen:
Stefan à Wengen | Arvid Boecker | Chen Ruo Bing | Matthias Köster | Franziska Reinbothe | dazu Richard Schur und Julian Opie mit einer Arbeit aus der Sammlung von Erhard Witzel

Stefan à Wengen (*1964)der in Basel geborene und in Düsseldorf lebenden Maler zeigt atmosphärisch dichte Gemäldeund figurative und gegenständliche Motive. Den Bildern unterliegt dabei ein starker Themenkomplex der sich auf kulturelle Codierungen bezieht und gleichzeitig mehrdeutige Interpretationen zulässt. Zudem reflektiert à Wengens Malerei Inhalte existenzieller Gewichtung, die sich sowohl auf das sogenannte kollektive Gedächtnis und die Kunstgeschichte beruft wie auch das Gegenwärtige stets mit einbezieht.

Arvid Boecker (* 1964) verfolgt seit Jahren eine kompromisslos konsequente, streng durchgehaltene Strategie der Recherche in der Malerei, in der es ihm immer wieder neu um den Prozess des Malens, so um die Parameter von Format, Bildgröße, Aufteilung und Strukturierung einer Fläche, um Rhythmus und Schichtung, um die Balance von Regel und Abweichung, von Konstruktion, Impression und Expression, um Horizontales und Vertikales und um das Verhältnis von Farbtönen, Hell und Dunkel, Kalt und Warm geht: Ein wahrhaft unerschöpfliches Thema, bei dem trotz oder vielleicht gerade wegen Boeckers strikt minimalistischer Haltung und systematischem Vorgehen keinerlei Redundanzen entstehen. Und man begreift, dass diese Arbeiten keine kalten, lediglich theoretisch relevanten Kopfgeburten sind, sondern Kreationen von naturhafter Vitalität und intensiver, zugleich aber auch nüchtern reflektierender Erfahrung. (Prof. Hans Gercke)

Chen Ruo Bing (* 1970) geboren in Nantong, China, lebt und arbeitet ebenfalls in Düsseldorf, aber auch in Beijing. Seine Malerei zwingt uns zu einer Dialektik des Sehens. Denn nichts ist so eindeutig in seinen Bildräumen, dass wir nicht im weiteren Sehen wieder Anderes sehen könnten. Neues, das uns die Sicherheit des zuerst Gesehenen wieder raubt. Sind es die Gegenstände, die Volumina, oder der Raum, die Leere, die in diesen Arbeiten das Bilderlebnis dominieren und definieren? Chens Bilder geben darauf keine eindeutigen Antworten, die einzelnen Elemente der Gemälde stehen bei ihm im kontinuierlichen Dialog.
(Ulrich Krempel)

Matthias Köster's (*1961) Malerei erscheint flüchtig wie ein Augenschlag, in sekundenschnellen Bildern eine Realität bannend. Matthias Köster arbeitet mit kurz aufflackernden und sich doch ins Gedächtnis einbrennenden mediatisierten Bildern. Um diese sowohl in ihrer Flüchtigkeit als auch Eindringlichkeit festzuhalten, bedient er sich einer besonderen Maltechnik: „Alla prima“, in einem Zug, bringt er Ölfarben auf einen Bildträger aus Aluminium auf und erzielt damit einen malerischen Duktus von höchster Lebendigkeit, In der Wahl und Kombinatorik seiner Motive adaptiert Köster den voyeuristischen Blick von Hochglanz- und Boulevardmagazinen und trägt den begehrlichen Blick als Thema in seine Malerei. Er schafft Bilder von Bildern, hinter denen weniger Realität als vielmehr die glatte Oberfläche einer Begehren weckenden, doch niemals Erfüllung findenden Scheinwelt steht.
(Sandro Parrotta)

Franziska Reinbothe (* 1980), die in Berlin geborene und in Leipzig arbeitende Malerin, legt ihren künstlerischen Schwerpunkt in der ungegenständlichen Malerei. Dem Tafelbild verbunden, untersucht sie aber intensiv sein Erweiterungspotenzial. Dabei bleibt sie keineswegs an den Bildoberflächen stehen, sondern rafft Leinwände zusammen, lege Keilrahmen frei oder verzichtet gleich ganz auf sie. Wie kann ein Bild gemacht sein? Reinbothe möchte das Dahinter sehen – und es zeigen. Sie dehnt, faltet, bricht, durchschneidet und vernäht ihre Bilder nach Beendigung des Malprozesses. Einige von ihnen ragen dann weit in den Raum hinein, andere haben sich bereits vollständig von der Wand gelöst. Immer aber geht es um zeitgenössische Malerei und deren Mittel, Möglichkeiten und Variabilität.

Richard Schur (* 1971) der in München geborene und lebende Künstler malt den Sound der Farbe. Wie ein Komponist bringt er das Licht der Farben zum Klingen. So schätzt er es besonders, wenn Komplexes leicht klingt und sucht mit seinen Kompositionen Zeitnähe und Zeitlosigkeit: Bilder die zugleich neu und trotzdem vertraut wirken. Eigenständige Bildwelten, die die Gegenwart reflektieren, dabei jedoch dem Alltag freudvoll entrückt sind. Schur ist Dichter, Komponist und ein Sohn alter Meister. Ihn interessiert die emotionale Direktheit des Expressionismus, die Klarheit des Hard-Edge und die Präzision der Renaissance-Maler. In einem langen, intuitiven und systematischen Prozess reflektiere er die Bedeutung jeder einzelnen Setzung, jedes Pinselstrichs, denn jedes Detail hat seine Bedeutung und seinen Platz im Ganzen.
180227 QuadrArt schur morning glory 2009 180x230cm sRichard Schur Morning-Glory Fotos QuadrArt Dornbirn