Sonderausstellung - Reinhold Luger. Grafische Provokation

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

auch gesellschaftspolitische Anliegen, meist mit Mitteln der Ironie, exakt auf den Punkt gebracht

Der Grafiker leitete eine Galerie, rettete alte Häuser und kämpfte in den 1970er Jahren für eine Jugendkultur und damit gegen das Land. Reinhold Luger entwarf Plakate für die Bregenzer Festspiele, entwickelte für Städte und Industrieunternehmen das Corporate Design, die Neugestaltung des Dornbirner Stadtbusses brachte ihm 1996 den ersten Joseph Binder Award ein – und weitere Auftraggeber im In- und Ausland, die das revolutionäre Gestaltungskonzept für den öffentlichen Nahverkehr wollten. Anhand der Arbeit des 78-jährigen Reinhold Luger lässt sich Grafik- und ein Stück weit auch die jüngere Landesgeschichte Vorarlbergs erzählen.

Reinhold Luger. Grafische Provokation
Kuratoren-Team: Theresia Anwander, vorarlberg museum (und Projektleitung) | Thomas Feurstein, Vorarlberger Landesbibliothek | Reinhold Luger | Szenografie und Design: Sägenvier DesignKommunikation

Als Reinhold Luger 1967 von Wien nach Dornbirn zurückkehrte, war er entsetzt. Gestern noch das freie Leben in der pulsierenden Grossstadt, heute die Friedhofsstille eines erstarrten Landes. Die für Jugendliche spannenden Filme waren verboten, Langhaarige wurden verfolgt, Blasmusik statt Rock ´n‘ Roll. Junge kritische Geister schlossen sich in den 1970er Jahren zusammen und machten kräftig mobil gegen das kunstfeindliche, katholisch-konservative Land. Ob beim Flint-Festival (1970/71) in Koblach oder bei den Bregenzer Randspielen (1972–1976) – Reinhold "Nolde" Luger war einer der Anführer der kulturellen Protestbewegung in Vorarlberg und lieferte stets die passenden Drucks gleich mit - bissige Plakate, Karikaturen, Pamphlete und Flugblätter.
191122 vbm Skandalen u. Skandaletten Kabarett Wuehlmaeuse 1981 Plakatgestaltung Reinhold Luger 27f3776239Skandalen u.Skandaletten Kabarett Wuehlmaeuse 1981 Plakatgestaltung Reinhold Luger
In den 1980er Jahren wird der Wert von Corporate Identity in der Wirtschaft erkannt. Reinhold Lugers Atelier wird zur Anlaufstelle von Unternehmen, Gemeinden und Städten. Er gestaltet zahlreiche Logos oder Leitsysteme im öffentlichen Raum. Jeder und jede in Vorarlberg kennt Arbeiten des Grafikers. Und in den 1980er Jahren beginnt sich die kulturelle Landschaft in Vorarlberg zu ändern. Jugendhäuser entstehen, die Kleinkunst bekommt einen Spielboden, eine wortstarke Literatur entsteht. Reinhold Luger unterstützt aus Leidenschaft die Alternativkultur, entwirft Plakate für den Spielboden oder für die Kabarettgruppe "Die Wühlmäuse", macht Werbung für politische Veranstaltungen oder gestaltet Cover für die Bücher junger, kritischer Historiker, die der neue fink’s Verlag in Bregenz veröffentlicht.

Reinhold Luger. Grafische Provokation
Sa 23. November 2019 bis Mo 13. April 2020 im vorarlberg museum, Bregenz
Öffnungszeiten Di bis So 10 - 18 Uhr Do - 20 Uhr , Montag geschlossen |an Feiertagen geöffnet
191122 vbm Stadtbus Dornbirn Schriftzug Reinhold LugerStadtbus Dornbirn Schriftzug Reinhold Luger
2018 übergibt Reinhold Luger sein grafisches Lebenswerk an die Vorarlberger Landesbibliothek, die mittlerweile alle Plakate digitalisiert hat und unter vorarlberg.at/volare der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Längst nicht alles aus dem umfangreichen Schaffen kann in der Ausstellung gezeigt werden. Sie führt durch das Leben von Reinhold Luger und an die Orte, an denen er gewirkt hat: auf die Ruine Neuburg in Koblach (Flint-Festival), auf den Gebhardsberg in Bregenz als ein Veranstaltungsort der Bregenzer Randspiele, zum Busbahnhof in Dornbirn, in die dortige Tiefgarage oder in das ochsenblutfarbige Haus Badgasse 3 in Dornbirn-Hatlerdorf, das Luger Mitte der 1970er Jahre gekauft und vor dem Abriss bewahrt hat – die Geburtsstunde der modernen Althauserneuerung in Vorarlberg.

191122 vbm Reinhold Luger Foto 3 Petra RainerReinhold Luger Bild PetraRainer
Veranstaltungen und Führungen (Auswahl)
Reinhold Luger führt mit Freunden und Weggefährten durch die Ausstellung:
Do 28. 11. 2019 - 18.00 Uhr: Walter Fink, Journalist
Do 12. 12. 2019 - 18.00 Uhr: Meinrad Pichler, Historiker
Do 16. 01. 2020 - 18.00 Uhr: Köbi Gantenbein, Verleger
Do 30. 01. 2020 - 18.00 Uhr: Sigi Ramoser, Sägenvier DesignKommunikation

Di 21. 01. 2020 - 19.00 Uhr: Randspiele, Festspiele und Nolde Luger

Gespräch mit Alfred Wopmann (Festspielintendant 1983–2003), Reinhold Luger und Meinrad Pichler (Geschäftsführer der Kulturproduzenten), moderiert von Walter Fink.

Februar und März: Konstruktive Provokation – Friday for Future

Workshop für Schulklassen mit Lisa Präg, Büro für Kollaborationskultur

Fr 14. 02. 2020 - Spielboden Dornbirn: Ein Abend für Nolde

mit Literatur und Musik aus den 1970er und 1980er Jahren

Mi 11. 03. 2020 - 19.00 Uhr Schaulust 3.0. Vortrag von Margarete Zink
Die Plakatsammlung des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg im digitalen Zeitalter
191120 vbm MIK 017 1 reinhold LugerAusstellungsansicht Bild Miro Kuzmanovic

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