«Konstellation 10 - Nackte Tatsachen»

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

der menschlichen Körper mit seinen Ausdrucksfacetten

Wie hat sich der Blick auf den menschlichen Körper im Verlauf der letzten hundert Jahre verändert? Das Schützen und Verhüllen des Körpers ist eine der wichtigsten zivilisatorischen Errungenschaften der menschlichen Kultur und genauso bedeutungsvoll ist es, wenn Menschen ihre Kleider ablegen und sich nackt zeigen. Der nackte Körper funktioniert genauso als Zeichen wie der bekleidete. Während die Kleidung aber gesellschaftliche Bedeutung zum Ausdruck bringt, steht der nackte Körper für andere Werte. Solche Bedeutungsaufladung des Körpers manifestiert sich nicht zuletzt in der Kunst

«Konstellation 10 - Nackte Tatsachen»
Helen Dahm ● Hans Brühlmann ● Simone Kappeler ● Barnabàs Bosshart ● Carl Roesch ● Miroslav Tichy ● Eugene von Bruenchenhein ● Roland Iselin ● Robert Wehrlin ● ● Martha Haffter ● August Herzog

190907 KMTG 5 Dahm redHelen Dahm, "Selbstbildnis mit Lilie und Kaktus", 1929, Holzschnitt auf Seidenpapier, Kunstmuseum ThurgauIst der Mensch nackt, so offenbart er seine ehrliche, unverhüllte Persönlichkeit. Der nackte Mensch ist ganz Natur, ist verletzlich, empfindsam, ist ganz er selbst. So gibt es, auch in der Sammlung des Kunstmuseums Thurgau, Hunderte von Aktdarstellungen in denen sich der Wandel des Blicks auf den menschlichen Körper fassen lässt. Früh tritt der nackte Körper in der Kunst da auf, wo Geschichten erzählt werden sollen. Die Bibel, die griechische Mythologie oder Märchenerzählungen sind voller Szenen, in denen entblösste Körper die existentielle Verletzlichkeit des Menschen oder aber deren Verführbarkeit demonstrieren.

In den Akademien gehörte das Zeichnen nach Modell, aber auch das Studium von Anatomie und Körperbau zu den wichtigsten Übungen. Gleichsam mit kaltem Blick werden die Posierenden analysiert, vermessen und mit schnellem Strich auf dem Blatt festgehalten. Solche Zeichnungen bildeten die Basis, um Körperhaltungen Stimmungen und Gefühlen auszudrücken. Künstlerin und Künstler schauen ganz genau hin und überführen das Gesehene in ein Bild, das wiederum der Schaulust des Publikums dient.

Mit dem massenhaften Aufkommen der Fotografie verändert sich auch der Blick auf den nackten Körper. Mit der Anwesenheit einer Kamera bricht immer eine potenzielle Öffentlichkeit in einen Raum ein. Was allenfalls eine intime Situation war, ist es nicht länger. In der zeitgenössischen Kunst ist Intimität nicht mehr mit Zärtlichkeit verbunden, sondern nur noch mit Nähe bis zur Schmerzgrenze. Solche Fotografien zeigen den nackten Körper in unbarmherziger Schärfe und manch einer fragt sich, ob er das überhaupt so genau sehen will.

«Konstellation 10 - Nackte Tatsachen»
Sa 07. September 2019 bis Mo 13. April 2020 | Kunstmuseum Thurgau Warth
Öffnungszeiten Sommer bis 30. September Täglich 11 – 18 Uhr | Winter bis 30. April Mo bis Fr 14 – 17 Uhr, Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr
Kunstwerke bleiben nur durch eine ständig erneuerte Auseinandersetzung mit denselben attraktiv und "lebendig". Aus diesem Grund zeigt das Kunstmuseum Thurgau Teile der Sammlungsbestände immer wieder in neuen Konstellationen.
190907 KMTG 7 theo glinz 1984 12 redTheo Glinz, "Selbstbildnis mit Modell und drei Malerkollegen", datiert 1913, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Thurgau
Das Ittinger Museum und das Kunstmuseum Thurgau bilden den Kern des Seminar- und Kulturzentrums Kartause Ittingen. Im idyllisch gelegenen ehemaligen Kloster bei Frauenfeld lebten während Jahrhunderten Mönchsgemeinschaften. 1977 wurde die weitläufige Anlage durch die eigens gegründete privatrechtliche Stiftung Kartause Ittingen erworben, restauriert und mit der Unterstützung von Partnern einer neuen Nutzung zugeführt. Das Betriebskonzept orientiert sich an den klösterlichen Werten Gastfreundschaft, Spiritualität, Selbstversorgung, Fürsorge und Kultur.

Weitere Informationen finden Sie unter www.kunstmuseum.ch


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