«Fabrikanten & Manipulanten» über die wechselvolle Geschichte der Ostschweizer Textilwirtschaft

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst

ab Fr 28. April 2017 im Textilmuseum St. Gallen
Öffnungszeiten: Täglich 10 – 17 Uhr 
Die Ausstellung ist Teil von „iigfädlet“ – Ostschweizer Textilgeschichte, einem Gemeinschaftsprojekt von acht Museen aus der Region Ostschweiz.

Der Ausstellungstitel irritiert – was hat fabrizieren mit manipulieren zu tun? Die Frage klärt sich gleich zu Beginn, denn die Ausstellung beschäftigt sich mit der Rolle der Arbeiter, Entwerfer, Erfinder, Unternehmer und eben auch Manipulanten in der Ostschweizer Textilproduktion. Ihre wechselvolle, oft auch schwierige Geschichte illustrieren Stickereien und Stoffe vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, ergänzt durch Maschinen, Fotografien, Archivmaterial und Medien. Eine Galerie von Kleidern vom Biedermeier bis heute bildet den Schluss der Ausstellung.

«Fabrikanten & Manipulanten»
Konzipiert von Ursula Karbacher und Michaela Reichel

„Die Stickereien – vor allem die berühmte ‚St. Galler Spitze‘ – wirken bis heute unglaublich luxuriös“, meint Michaela Reichel, Direktorin des Textilmuseums St. Gallen. Zu leicht vergisst man, in welchen Mengen hier seit dem Mittelalter hochprofessionell und arbeitsteilig Textilien produziert und exportiert wurden. Der Erfolg der Ostschweizer Textilindustrie ist dem reibungslosen Zusammenspiel der an der Herstellung beteiligten Menschen zu verdanken. Jeder Gruppe kommt bei der Produktion von Textilien eine genau definierte Rolle zu.
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Im Laufe der Jahrhunderte sieht die Branche wiederholt mit Herausforderungen in Form von sozialen und politischen Umwälzungen, Wirtschaftsflauten oder internationalen Konflikten konfrontiert. Auf Dauer behaupten kann sich nur, wer angemessen auf die Anforderungen des Markts reagiert und geeignete Strategien zur Überwindung der Krisen entwickelt. Das Verhältnis der am Produktionsprozess beteiligten Gruppierungen gestaltet sich nicht immer konfliktfrei. Die Zusammenarbeit unterliegt dem gesellschaftlichen Wandel und ist lange Zeit von Ungleichheit und Abhängigkeiten gekennzeichnet. Absatzkrisen treffen die Arbeiter, insbesondere die Heimarbeiter, weit mehr als die wohlhabenden Unternehmer. Trotz allem sichern das über Jahrhunderte etablierte System und seine Traditionen den Erfolg der Ostschweizer Textilindustrie bis auch hier die globalen Mechanismen des 20. und 21. Jahrhunderts greifen.

„Berühren erwünscht“ gilt nun auch in dieser Ausstellung des Textilmuseums: „Uns ist es wichtig, den Besucherinnen und Besuchern neben den Fakten sinnliche Erlebnisse, ein Gefühl für die Qualität der Textilien, zu vermitteln“ meint Annina Weber, Kulturvermittlerin am Textilmuseum. Stoffproben und Stickereimuster dürfen in der Ausstellung nach Lust und Laune untersucht werden. Weber weiss aus Erfahrung, dass diese „begreifbaren“ Hands-On Objekte besonders bei Kindern und Jugendlichen gut ankommen. Aber auch Erwachsene können sich ihnen kaum entziehen.

Während die anderen am Projekt teilnehmenden Ausstellungen im Herbst 2017 schliessen, bleibt Fabrikanten & Manipulanten im Textilmuseum danach weiter zu sehen.

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