Bei den 72. Bregenzer Festspielen erwartet die Besucher sommerliches Festspielvergnügen

Veröffentlicht in Bühne | Literatur (Archiv)

Mi 29. Juli bis So 20. August 2017 | Bregenz Festspielhaus und Seebühne

Mit einer der weltweit beliebtesten Oper starten die Bregenzer Festspiele in ihre 72. Saison. Als Spiel auf dem See zeigt das Sommerfestival an 28 Abenden Georges Bizets Carmen. 3 Abende wird im Festspielhaus Gioachino Rossinis Oper Moses in Ägypten aufgeführt. Exotische Oper in ganz anderen Dimensionen gibt es auf der Werkstattbühne und ein Gastspiel des Berliner Maxim Gorki Theater bringt das Schauspiel zurück ins Festspielprogramm. Zum Festspielfinale ab Mitte August lädt das Opernstudio erneut ins Bregenzer Kornmarkttheater und auf der Werkstattbühne erblickt eine Auftragskomposition das Licht der Opernwelt. Dazwischen laden symphonische und poetische Konzerte ins Festspielhaus und ins Seestudio.

72. Bregenzer Festspielsommer am Bodensee
für die insgesamt 80 Veranstaltungen stehen rund 214.000 Tickets zur Verfügung

Nach 25 Jahren kehrt Carmen nun in einer Neuinszenierung des aus Dänemark stammenden Regisseurs Kasper Holten zurück, der weltweit an den grossen Opernhäusern mit seinen Inszenierungen für Aufsehen sorgt. Das Bühnenbild stammt von der britischen Künstlerin Es Devlin, am Pult der Wiener Symphoniker steht Paolo Carignani, Dirigent der Bregenzer Turandot-Inszenierung. Als das Festival die Oper um leidenschaftliche Liebe und spektakulären Stierkampf das bislang letzte Mal auf der Bregenzer Seebühne zeigte, bescherte sie in den Sommern 1991 und 1992 den damaligen Besucherrekord auf der Seebühne.
170719 Bregenz Carmen 8985 32Carmen Fotos © Bregenzer Festspiele/ Karl Forster170719 Bregenz Carmen 8985 55
Im Festspielhaus werden 3 Aufführungen von Gioachino Rossinis selten gespielte Oper Moses in Ägypten (Mosè in Egitto) gespielt. Den biblischen Stoff von Plagen und der Meeresspaltung inszeniert die Niederländerin Lotte de Beer gemeinsam mit dem Theaterkollektiv Hotel Modern, die mit Objekten und Puppen eine eigene Welt entstehen lassen. Die musikalische Leitung liegt bei dem in Spanien geborenen Italiener Enrique Mazzola, der im vergangenen Sommer das dritte Orchesterkonzert dirigierte. Es spielen die Wiener Symphoniker.

Drei Tage nach der Premiere von Moses in Ägypten verwebt das Middle East Peace Ensemble jüdische und arabische Musik mit zeitgenössischen Werken unterschiedlicher Länder. Die Auftaktveranstaltung von Musik & Poesie moderiert Ensemble-Leiter Henrik Goldschmidt. Erstmals betritt im kommenden Sommer Michael Köhlmeier die Bühne der beliebten Reihe. Der Vorarlberger Schriftsteller widmet sich gemeinsam mit der aus Israel stammenden Sängerin Dalia Schaechter dem Propheten Moses, der Religion, dem Monotheismus.
170719 Bregenz Moses 8986 130Moses Fotos © Bregenzer Festspiele/ Karl Forster170719 Bregenz Moses 8986 219
Auf der Werkstattbühne gelangt mit To the Lighthouse ein Stoff von Virginia Woolf zur Uraufführung mit dem sich der Komponist Zesses Seglias seit zweieinhalb Jahren beschäftigt. Das von Intendantin Elisabeth Sobotka initiierte und in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz realisierte Opernatelier will nicht nur neues Musiktheater schaffen, sondern auch Antworten auf die Frage liefern, "Wie entsteht eine Oper?". Als Regisseur konnte Olivier Tambosi gewonnen werden, das Raumkonzept stammt vom dänischen bildenden Künstler Jakob Kolding, es spielt das Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Claire Levacher.

Eine runde Sache und exotische Oper in völlig anderen Dimensionen ist am ersten Festspielwochenende zu erleben. Richard Wagners auf vier Aufführungstage angelegtes Musiktheater-Epos Der Ring des Nibelungen schrumpft dabei nicht nur auf übersichtliche 90 Minuten Gesamtspielzeit, sondern auch dessen Protagonisten sind im Miniformat auf Tierisch-Wesentliches reduziert - sie werden zu Insekten. Das bereits bei der Oper im Festspielhaus tätige Theaterkollektiv Hotel Modern lässt auf der Werkstattbühne eine winzige Opernwelt aus Raupen, Schmetterlingen und Grashüpfern entstehen. Kombiniert mit der Livemusik des niederländischen Bläserensembles sowie durch Livekameras auf Leinwand übertragen, kommen die Kleinen gross raus.

Erstmals, nach vier Jahren Wartezeit, bereichert wieder eine Schauspielaufführung im Bregenzer Kornmarkttheater den Festival-Spielplan. Mit The Situation zeigen die Bregenzer Festspiele das "Stück des Jahres 2016" als Gastspiel des in Berlin beheimateten Maxim Gorki Theater. Das Werk stammt von der österreichisch-israelischen Theaterregisseurin Yael Ronen und ihrem Ensemble, dem Schauspielerinnen und Schauspieler aus Israel, Palästina und Syrien angehören. The Situation erzählt von Menschen, die ihre Heimatländer des Nahen Osten verlassen haben und in Berlin aufeinander treffen. Das Stück bildet den Auftakt für eine in den Folgejahren jährlich fortgesetzte Schauspielreihe.

Die Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart vollendet den, in der Saison 2015 mit Cosi fan tutte und Don Giovanni, begonnenen Zyklus. Junge Sängerinnen und Sänger treffen zum dritten Geburtstag des Festspiel- Opernstudios auf heiteres Intrigenspiel, erotisches Hasardieren und politischen Sprengstoff. Fünf Monate früher als in den vergangenen beiden Jahren kehrte Brigitte Fassbaender an den Bodensee zurück, um die Sängerinnen und Sänger des Opernstudios auf ihre Rollen in Die Hochzeit des Figaro vorzubereiten. Mit Jörg Lichtenstein kehrt der Regisseur des Opernstudio-Gründungsjahrs zurück. Hartmut Keil dirigiert erneut das Symphonieorchester Vorarlberg.

Das Symphonieorchester Vorarlberg stellt neben den beiden Musiktheater-Engagements bei Die Hochzeit des Figaro und To the Lighthouse am letzten Festspieltag erneut seine Qualität als Konzertensemble unter Beweis. Chefdirigent Gérard Korsten steht bei Olivier Messiaens Un sourire, Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur und César Francks Symphonie d-Moll am Pult des Vorarlberger Traditionsorchesters.
170719 Bregenz crosscultureweek170223Foto © Bregenzer Festspiele/ Anja Köhler170719 Bregenz symphonikertag312Foto © Bregenzer Festspiele/ Dietmar Mathis
Die Wiener Symphoniker begeben sich an zwei Abenden und an einem Vormittag auf die Konzertbühne des Grossen Saals. Während das erste Orchesterkonzert unter der musikalischen Leitung von Antonio Méndez einen opulenten Bogen spanischer und an Spanien erinnernde Klänge offeriert, widmet sich Chefdirigent Philippe Jordan bei einer Sonntagsmatinee dem wohl bekanntesten Liebespaar der Operngeschichte bei Richard Wagners Siegfried-Idyll und erstem Aufzug von Die Walküre. Beim letzten Konzerttermin dirigiert Constantinos Caıydis Chasse fantasticue von Ernest Guirauds und Hector Berlioz' Symphonie fantastique sowie Minas Borboudakis' Cassiopeia für Schlagzeug und Orchester.

Sobald der letzte Ton des dritten Orchesterkonzerts im Grossen Saal verhallt ist, erklingen auf der Werkstattbühne bei Songs of Freedom Gospel-Klassiker. Bei einem Musik & Poesie Special spürt Measha Brueggergosman in ihrem dritten Bregenzer Festspielsommer gemeinsam mit Sängerinnen und Sängern des Festspielchors und einer Band ihren afro-amerikanischen Wurzeln nach. Darüber hinaus interpretiert die aus Kanada stammende Sopranistin bei einem Auftritt im Seestudio leidenschaftliche und leidende Frauenfiguren der französischen Musik.

Das Kinder- und Jugendprogramm crossculture lädt erneut nicht nur zum Zusehen und Zuhören, sondern auch zum Mitmachen ein. Neben Workshops und einem Instrumentaltheater von Thomas Desi erarbeiten junge Musikerinnen und Musiker unter Leitung von Martin Kerschbaum ein Blasorchester-Konzertprogramm. Das Konzert im KUB widmet sich im kommenden Jahr der grossen Tradition jüdischer Musik. Im Abschlusskonzert der internationalen Sommerakademie Opus XXI beschäftigen sich junge Musiker und Musikerinnen mit zeitgenössischer Musik, unter anderem von Zesses Seglias und Miroslav Srnka.

Weitere Informationen und Tickets unter www.bregenzerfestspiele.com  sowie Telefon +43 5574 4076