Walter Wegmüller «Kunst, Krautrock und Tarot»

Veröffentlicht in Ausstellungen | Kunst (Archiv)

Ausstellung bis So 12. November 2017 | Museum im Lagerhaus St.Gallen
Öffnungszeiten Di bis Fr 14–18 Uhr / Sa, So, Feiertage 12–17 Uhr

Anlässlich seines achtzigsten Geburtstages würdigt das Museum im Lagerhaus den Basler Künstler Walter Wegmüller (*1937 in Zürich), durch den Verein „Gigeregg“ auch mit St. Gallen verbunden, mit einer Einzelausstellung. Aus einer Familie Fahrender stammend, wird er seiner Mutter weggenommen und wächst unter widrigsten Bedingungen als Heim- und Verdingkind im Berner Seeland auf. Als Autodidakt erlangt er 1974 mit seinem Zigeuner-Tarot internationale Beachtung. Basil Rogger, Kulturwissenschaftler und Ausstellungsmacher aus Zürich, lernte schon als Kind Walter Wegmüller kennen und verfolgt sein Arbeiten seit nunmehr über 40 Jahren. Als Berater und Co-Kurator begleitet er die Ausstellung.

Walter Wegmüller
gehört zur psychedelischen Kunst- und Krautrock-Szene Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre.

Er ist mit Dürrenmatt befreundet, Mark Tobey kauft seine Bilder und es entstehen Gemeinschaftswerke mit H.R. Giger und Claude Sandoz. Interdisziplinär mit Film und Musik arbeitet er u.a. zusammen mit Timothy Leary, Klaus Schulze und Walter Westrupp sowie Jean-Jacques Wittmer. Obwohl bekannt im In- und Ausland, mit Preisen ausgezeichnet und sogar eine Swatch-Uhr gestaltend, hat sich Walter Wegmüller nie einem Trend und dem Kunstmarkt unterworfen. In seinen Bildfindungen und in seiner Bildsprache ist er immer ein Outsider geblieben. Entstanden ist ein schillerndes wie persönliches Lebenswerk. Die Ausstellung im Museum im Lagerhaus ist bespielt mit Augmented Reality zur intensiven individuellen Kunstvermittlung via Tablet und steht anschliessend als „Pocket Pictures – Die kleinste Ausstellung der Welt“ zur Verfügung.
170828  ML Walter Wegmueller Frontfussler 1968 69 C Walter Wegmueller 800pxlWalter Wegmueller Frontfussler 1968-69 © Walter Wegmueller170828 LM Giger Sandoz Wegmueller Tagtraum Ouvertuere 1973 HRGigerMuseum C Giger Sandoz Wegmueller 800pxlTagtraum Ouvertuere 1973 HRGigerMuseum © Giger Sandoz Wegmueller
Walter Wegmüller (*1937 in Zürich) kann sich nach entbehrungsreicher Kindheit und Jugend erst als junger Erwachsener der Kunst zuwenden. Anfangs der 1960er-Jahre lässt er sich in Basel nieder, wo er als Hafenarbeiter, Kunstmaler und Kartenleger arbeitet, eine Familie gründet und 1974 mit seinem „Zigeuner-Tarot“ den internationalen Durchbruch schafft. Walter Wegmüller verfügt über keine künstlerische Ausbildung – er ist Autodidakt. Seine solide handwerkliche Ausbildung als Flachmaler und die Förderung, die er durch einen Lehrer und insbesondere durch seinen Lehrmeister Peter Travaglini erfährt, öffnen ihm den Weg in die Kunst, die für ihn eine Art des Geschichten-Erzählens und damit auch des Bearbeitens von Vergangenem und Zukünftigem ist. Sein technisches Können und Wissen ist enorm, noch grösser ist sein Werk und dessen technische und inhaltliche Vielfalt. In Wegmüllers Arbeiten verschachteln sich Bild- und Erzählräume, lösen sich einzelne Figuren in unzählige Szenen auf, reale und surreale Ebenen verschmelzen, Zeitlichkeit ist stets präsent. In diesem Chaos ist Wegmüller der Gratwanderer zwischen den Welten, der wiederholt im Bild formulierte Seiltänzer über dem Abgrund, dem die Malerei Werkzeug der Balance ist und die Künstlerschaft ihm das Überleben sicherte.
170828 LM Giger Sandoz Wegmueller WegmuellersTagtraum 1973 HRGigerMuseum C Giger Sandoz Wegmueller 800pxlTagtraum Ouvertuere 1973 HRGigerMuseum © Giger Sandoz Wegmueller170828 LM Walter Wegmueller Der Seiltaezer u Maler 1994 Privatbesitz C Walter Wegmueller 800pxlDer Seiltaezer u Maler 1994 © Walter Wegmueller170828 Walter Wegmueller Maske 1974 Helvetia Kunstsammlung Basel C Walter Wegmueller 800pxlMaske 1974 © Walter Wegmueller